Ex-Manager Nienhaus fällt bei Wahl für ZDF-Verwaltungsrat durch - epd medien

12.12.2025 12:10

Der ehemalige Geschäftsführer der "Bild"-Gruppe, Christian Nienhaus, sollte eigentlich am Freitag in den ZDF-Verwaltungsrat gewählt werden. Doch der Widerstand gegen die umstrittene Personalie war größer als erwartet.

Christian Nienhaus (Archivbild)

Mainz (epd). Nach einer kontroversen Debatte im ZDF-Fernsehrat ist die geplante Wahl des früheren Springer-Managers Christian Nienhaus in den Verwaltungsrat des Senders am Freitag gescheitert. In zwei Wahlgängen ohne Gegenkandidat verfehlte er die notwendige Drei-Fünftel-Mehrheit der Stimmen deutlich. Die Gremienmitglieder verzichteten daraufhin zunächst auf einen dritten Anlauf.

Der 65-jährige Nienhaus hatte sich dem Fernsehrat als "Rentner" vorgestellt, der bereits seit zwei Jahren keine geschäftlichen Beziehungen zu privaten Medienunternehmen mehr unterhalte, seine Erfahrung als Manager jedoch gerne dem ZDF zur Verfügung stellen wolle. In seiner Karriere war er unter anderem Geschäftsführer bei der Funke-Mediengruppe sowie bei "Bild" und "Bild am Sonntag". Zuletzt verantwortete er alle Printprodukte des Springer-Verlags.

Sitzung unterbrochen

Als während der Aussprache Kritik an der Personalie aufkam, wurde zunächst die Sitzung unterbrochen. Eine Mehrheit fand sich jedoch auch danach nicht. Anstelle der erforderlichen 36 Ja-Stimmen erhielt Nienhaus nur 28 im ersten und 29 im zweiten Wahlgang. Er war vom konservativen "Freundeskreis" im ZDF-Fernsehrat vorgeschlagen worden und hätte auf den früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Reinhard Göhner folgen sollen, der das Ehrenamt zum Jahresende niederlegen will.

Bereits vor der Fernsehratssitzung hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sich gegen eine Wahl von Nienhaus ausgesprochen, da ein Interessenkonflikt drohe. Es stehe zu befürchten, dass Springer über Nienhaus "Einfluss auf Entscheidungen des ZDF nimmt", hieß es. Der zwölfköpfige Verwaltungsrat ist das zweite zentrale Aufsichtsgremium des ZDF und überwacht insbesondere die wirtschaftlichen Aktivitäten des Senders. Derzeitige Vorsitzende ist die ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Sehl in Medienrat gewählt

Eine andere Personalie wurde vom ZDF-Fernsehrat bestätigt: Das Gremium wählte die Kommunikationswissenschaftlerin Annika Sehl von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt in den von den Ländern eingesetzten neuen Medienrat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der aus sechs Expertinnen und Experten bestehende Rat soll das gesamte öffentlich-rechtliche Sendersystem von außen betrachten und Impulse für dessen Weiterentwicklung geben.

Sehl erklärte laut einer Mitteilung der Universität, sie wolle dazu beitragen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Auftrag erfüllen kann: "Dazu braucht es einheitliche und transparente Messgrößen." Dies gelte auch für den Dialog der Rundfunkanstalten mit dem Publikum, der ausgebaut werden soll. Sehl hat seit 2022 den Lehrstuhl für Journalistik mit dem Schwerpunkt Medienstrukturen und Gesellschaft an der Katholischen Universität inne. 2023 und 2024 war sie Mitglied des Zukunftsrats für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Weitere bereits bekannte Mitglieder des Medienrats sind die Kommunikationswissenschaftlerin Anne Bartsch (Universität Leipzig) und der Politikwissenschaftler Alexander Kühnle (Hochschule der Medien in Stuttgart). Sie wurden von den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten berufen. Vom Deutschlandradio-Hörfunkrat ist zudem die Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann (Wissenschaftszentrum Berlin) gewählt. Zwei weitere Mitglieder sollen im Januar von der ARD-Gremienvertreterkonferenz bestimmt werden.

lmw/lbm



Zuerst veröffentlicht 12.12.2025 13:10 Letzte Änderung: 14.01.2026 09:54

Schlagworte: Medien, Personalien, Fernsehen, NEU

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