Warnung vor Einschnitten bei MDR-Kulturberichterstattung - epd medien

15.12.2025 11:00

Die Kultur gehört zum Programmauftrag von öffentlich-rechtlichen Sendern. Angesichts geplanter Streichungen beim MDR warnen mitteldeutsche Kultureinrichtungen in einem offenen Brief vor den Folgen.

Erfurt (epd). Insgesamt 33 mitteldeutsche Kulturinstitutionen kritisieren die angekündigten Sparmaßnahmen beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) im Bereich der Kulturberichterstattung. Einsparungen im Programm- und Produktionsbereich träfen unmittelbar die Verbindung zwischen Theatern, Orchestern und ihrem Publikum, schreiben die Einrichtungen in einem am Montag veröffentlichten Brief, der sich an Intendant Ralf Ludwig und den Vorsitzenden des Rundfunkrats Michael Ziche richtet.

Kulturberichterstattung sei "kein Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil der kulturellen Öffentlichkeit", schreiben die Verbände und Theater. Das betreffe auch Programmformate wie MDR Klassik mit seinen regelmäßigen Theater- und Konzertberichten, Premierenankündigungen und Hintergrundbeiträgen.

Schwächung der Kulturlandschaft

Der MDR habe als öffentlich-rechtliche Sender den Auftrag, die "kulturelle Vielfalt der Region sichtbar und Debatten über Theater- und Musikproduktionen möglich zu machen", schreiben die Unterzeichner, zu denen auch der Intendant des Schauspiels Leipzig, Enrico Lübbe und Gewandhausdirektor Andreas Schulz gehören: "Eine Reduktion der Berichterstattung schwächt die Kulturlandschaft der Region und damit ihr demokratisches Fundament."

Gerade für ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sei das Radio ein wichtiger Zugang zur Musik- und Theaterwelt, schreiben die Unterzeichner: "Die geplante Verschiebung ins Digitale würde an der Zielgruppe vorbeigehen und ist kein Ersatz für das Radioformat." Kritiken, Porträts und Debattenangebote würden Öffentlichkeit für künstlerische Arbeit schaffen und zur künstlerischen Qualitätssicherung beitragen. Ohne solche Debatten drohe der kulturelle Diskurs zu verschwinden.

Verlust an Attraktivität

Die Berichterstattung des MDR stärke die kulturelle Identität der Regionen und ermögliche Teilhabe, heißt es in dem Brief. Ohne mediale Sichtbarkeit werde die mitteldeutsche Kulturlandschaft weniger attraktiv für junge Kunstschaffende, damit drohe sich die Abwanderung zu verstärken.

Ludwig hatte am 8. Dezember den MDR-Rundfunkrat darüber informiert, dass MDR Klassik zu den rund 16 terrestrisch verbreiteten ARD-Radiosendern gehört, die nach dem Reformstaatsvertrag bis 2027 eingestellt oder ins Digitalangebot verlagert werden. Bestandteile des Programms sollen jedoch in die Klassikangebote anderer ARD-Angebote einfließen.

lob/dir



Zuerst veröffentlicht 15.12.2025 12:00 Letzte Änderung: 30.12.2025 12:43

Schlagworte: Medien, Rundfunk, NEU

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