07.01.2026 08:45
epd Wer darf den Medienriesen Warner Bros. mit dem dazugehörenden Sender CNN übernehmen? Wer kriegt Tiktok? Welche Zeitung wird Präsident DonaldTrump als nächste verklagen? Und was ist los bei CBS News, seit Neuestem im Besitz eines Trump-nahen Eigentümers? In der US-Medienlandschaft herrscht Ungewissheit zu Beginn des zweiten Jahres der zweiten Trump-Amtsperiode. Der Einfluss des "großen Geldes" und des Präsidenten hinterlässt tiefe Spuren.
2025 sei ein hartes Jahr für die Medienindustrie gewesen, fasste der vom ehemaligen CNN-Medienkorrespondenten Oliver Darcy gegründete Fachdienst "status.news" zusammen. "Etablierte Giganten" in der Medienwelt seien "erbarmungsloser Konsolidierung" ausgesetzt gewesen und wachsendem politischen Druck.
Medien seien bekanntermaßen Trumps bevorzugter Prügelknaben, schrieb die Vorstandsvorsitzende des in San Francisco ansässigen "Center for Investigative Reporting" (deutsch: Zentrum für Investigative Berichterstattung), Monika Bauerlein, in einem Spendenaufruf zum Jahreswechsel. Manche der nun erwarteten Angriffe seien vertraut, darunter Beleidigungsklagen gegen Medienunternehmen und "regulatorische Drohungen" durch die Medienaufsichtsbehörde. Doch man sollte nicht überrascht sein, würde Trump 2026 Journalisten unter dem Vorwand des Anti-Spionagegesetzes vor Gericht stellen lassen.
Trump trieb Medien vor sich her mit Verlautbarungen auf seiner Plattform "Truth Social" und bei Kontakten mit Medienvertretern. Die Reaktionen der Medien auf Restriktionen waren gemischt. Es gab keine organisierten Proteste gegen den Ausschluss der Nachrichtenagentur Associated Press von bestimmten Terminen im Weißen Haus, jedoch einen geschlossenen Auszug von Journalisten vom Pentagon gegen Restriktionen von Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Im Juni 2025 stimmte das Repräsentantenhaus mit knapper Mehrheit dem Antrag der Trump-Regierung zu, der Corporation for Public Broadcasting (CPB) die schon genehmigte staatliche Finanzierung in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro) zu entziehen. Am 5. Januar beschloss die CPB, sich aufzulösen. Sie war eine wichtige Finanzierungsquelle der nicht-kommerziellen Radio- und Fernsehanbieter.
Wie kein Präsident vor ihm geht Trump gerichtlich gegen "beleidigende" Berichte vor. Der Konzern Disney zahlte 15 Millionen Dollar für eine später korrigierte irreführende Aussage eines Moderators des Fernsehsenders ABC. Der Medienriese Paramount, Muttergesellschaft des Fernsehsenders CBS, zahlte 16 Millionen Dollar zur Beilegung eines Rechtsstreits um ein Interview mit Trumps Rivalin Kamala Harris.
Manche Medien aber geben nicht klein bei. Der britische Rundfunksender BBC wehrt sich derzeit gegen eine Verleumdungsklage über eine Summe von zehn Milliarden Dollar, die Trump im US-Bundesstaat Florida eingereicht hat.
Die Regierung Trump schüchtert ein. Die ehemalige Chefredakteurin der Online-Publikation "Huffpost.com", Danielle Belton, schrieb in einem Jahresrückblick der Stiftung Nieman Foundation, manche Medienfirmen hätten sich wie von Trump gewünscht von den Prinzipien Diversität, Gleichstellung und Inklusion verabschiedet. Sie seien zum "weißen Status Quo" zurückgekehrt.
In der medienkritischen Publikation "Mediamatters" bezeichnete Matt Gertz 2025 als das Jahr, in dem sich "Medienoligarchen" vor Trump verneigt hätten. Der Eigentümer der "Washington Post", Jeff Bezos, schrieb beispielsweise der Redaktion der Hauptstadtzeitung eine Umorientierung vor. Die Meinungsseiten müssten sich auf die Grundpfeiler "persönliche Freiheiten und freie Märkte" stützen, erklärte er im Februar.
Im August hat der Trump-nahe Milliardär David Ellison, Sohn des Oracle-Gründers und Trump-Vertrauten Larry Ellison, den Medienkonzern Paramount übernommen und mit seinem Konzern Skydance zusammengeschlossen. Zum Fusionskonzern gehört auch der Sender CBS News, der oft von Trump kritisiert wird. Ellison hat den Sender umgebaut. Die neue Chefredakteurin Bari Weiss steht jetzt in der Kritik, nachdem sie im Dezember 2025 die Ausstrahlung eines kritischen Beitrags in der Sendung "60 Minutes" gestoppt hat. In der Reportage ging es um venezolanische Männer, die Trump in ein Gefängnis in El Salvador abschieben ließ.
Zuerst veröffentlicht 07.01.2026 09:45
Schlagworte: USA, Medien, KORR
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