14.01.2026 09:43
Washington/Pittsburgh (epd). Die US-amerikanische "Pittsburgh Post-Gazette", die einzige Print-Tageszeitung im rund zwei Millionen Einwohner zählenden Großraum Pittsburgh in Pennsylvania, stellt mehr als 200 Jahre nach Gründung den Betrieb ein. Wie die Eigentümerfirma Block Communications am 7. Januar bekannt gab, soll die letzte Druckausgabe am 3. Mai erscheinen. Das Unternehmen machte finanzielle Gründe geltend. In den vergangenen 20 Jahren habe Block mit der Zeitung mehr als 350 Millionen Dollar Verlust gemacht, hieß es.
Vorangegangen waren ein Arbeitskampf und ein juristischer Streit mit der Gewerkschaft der Redakteure. Die Zeitung hatte nach dem Auslaufen eines Tarifvertrags einseitig Arbeitsbedingungen geändert, woraufhin Mitarbeiter streikten und Gerichte wiederholt zugunsten der Gewerkschaft entschieden. Zuletzt lehnte der Supreme Court der USA am 7. Januar einen Antrag der "Post-Gazette" ab, eine gerichtliche Anordnung auszusetzen, die das Unternehmen verpflichtete, frühere tarifvertragliche Leistungen wieder einzuführen.
Die Gewerkschaft "Communications Workers of America" warf der Zeitung nach der Schließungsankündigung vor, sie wolle offenbar lieber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestrafen, als das Gesetz einzuhalten. Die Anwaltsgebühren der Firma hätten mehr als ausgereicht, um die Vorschläge der Beschäftigten umzusetzen.
In den USA kämpfen zahlreiche lokale und regionale Zeitungen um das Überleben. Die Forschergruppe "Medill Local News Initiative" an der Northwestern University in Illinois berichtete im Oktober 2025 in einer Studie zum Zustand der Lokalpresse, im Jahr 2005 habe es in den USA pro 100.000 Einwohner drei verschiedene Zeitungen gegeben. Gegenwärtig seien es nur mehr 1,6.
Kommentare im Fachblatt "Editor and Publisher" äußerten Bedauern. Das Ende sei "tragisch" für die Menschen in Pittsburgh, sagte der Präsident des Medieninstituts "Poynter Institute", Neil Brown. Medienexperte Jeff Jarvis vom Forschungszentrum Tow-Knight Center for Entrepreneurial Journalism sprach von einer "verdammten Schande", die hätte verhindert werden können, wäre Block dem Vorbild anderer Firmen gefolgt. "Politische Ideologie und mangelnde strategische Voraussicht" hätten im Weg gestanden.
Die "Post-Gazette" gelte als großartige Tageszeitung, erklärte Journalismusprofessor Dan Kennedy von der Northeastern University in Massachusetts. Er hoffe, dass bis zum 3. Mai noch ein neuer Eigentümer gefunden werden kann.
rid
Zuerst veröffentlicht 14.01.2026 10:43
Schlagworte: Medien, USA
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