12.03.2026 04:58
Berlin (epd). Die im vergangenen Herbst eingesetzte Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt will sich von der Politik zeitlich nicht unter Druck setzen lassen. "Vereinbart war, dass wir für unsere Arbeit ein knappes Jahr Zeit haben. Dabei muss es auch bleiben", sagte die Co-Vorsitzende der Kommission, Nadine Schön, dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). Seit längerer Zeit häufen sich auch aus den Regierungsparteien CDU und SPD die Forderungen nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hatte im "Tagesspiegel" gefordert: "Beim Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche muss mehr Tempo rein." Es wäre aus ihrer Sicht wichtig, dass die Expertenkommission schon vor diesem Sommer zu Ergebnissen komme.
Schön erwiderte, sie erwarte "ein bisschen Respekt vor der Zeit und dem Engagement der Fachleute". Der Arbeitsauftrag sei sehr umfangreich. "Es geht keineswegs nur um ein irgendwie geartetes Mindestalter für Social Media, sondern viel umfassender um Schutz, Befähigung und Teilhabe in der digitalen Welt", sagte die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete. Es gebe sechs große Experten-Hearings und eine breite Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Das lasse sich nicht beliebig abkürzen.
"Ich rate der Politik dringend, uns in Ruhe arbeiten zu lassen", sagte Schön. Dennoch habe die Kommission "durchaus auf das Bedürfnis nach Eile reagiert". "Wir wollten ursprünglich im September unsere gesamten Ergebnisse in einem Stück veröffentlichen. Aber die konkreten Handlungsempfehlungen und die Bestandsaufnahme zum Ist-Zustand beim Jugendmedienschutz werden wir jetzt vorziehen, auch mit Blick auf die Erwartungen aus der Politik", sagte sie. Ziel sei es, beides vor der parlamentarischen Sommerpause vorzulegen.
Unterdessen schloss sich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Forderungen nach einer Social-Media-Altersgrenze von 14 Jahren an. "Ich weiß, dass es viele Digitalexperten gibt, die sagen: Lasst bloß die Finger vom Verbot", sagte Steinmeier der Wochenzeitung "Die Zeit". Aber die Empfehlung zu mehr Medienkompetenz überzeuge ihn nicht mehr. "Dafür sind die Gefahren für die Kinder und Jugendlichen zu groß", sagte der Bundespräsident.
"Wir dürfen die Eltern und Lehrer nicht alleinlassen mit dieser riesigen Verantwortung", argumentierte Steinmeier. Die Regellosigkeit führe zu Gefährdungen für das soziale Miteinander und auch für die Demokratie. Ganz besonders gelte das für Kinder und Jugendliche, die mit Inhalten konfrontiert werden wie Gewaltdarstellungen, Pornografie und Manipulationen, die ihre Persönlichkeitsentwicklung belasten.
Für die Regulierung von Plattformen ist in Europa in erster Linie die Europäische Union (EU) zuständig. Im 2022 in Kraft getretenen Digital Services Act (DSA) der EU, der hierzu zahlreiche Bestimmungen enthält, findet sich keine pauschale Altersgrenze. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob sie eine solche Regelung auf den Weg bringen soll. Diese würde dann für alle EU-Staaten gelten. Eine Entscheidung soll bis zum Sommer fallen.
kfr
Zuerst veröffentlicht 12.03.2026 05:58 Letzte Änderung: 12.03.2026 13:18
Schlagworte: Medien, Internet, Jugend, NEU
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