Ingrid Thurnher übernimmt Geschäftsführung des ORF - epd medien

13.03.2026 11:17

Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat die bisherige Radiodirektorin, Ingrid Thurnher, die vorläufige Geschäftsführung des Senders übernommen. Im Mai soll die Generaldirektion für die kommenden vier Jahre neu ausgeschrieben werden.

Ingrid Thurnher in der Sitzung des Sitftungsrats

Wien (epd). Der Stiftungsrat des Österreichischen Rundfunks (ORF) hat am 12. März die bisherige Radiodirektorin Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Geschäftsführung des Senders betraut. Zugleich werde die Position bis Jahresende neu ausgeschrieben, teilte der ORF mit. In einem zweiten Verfahren werde die Position für die Geschäftsführungsperiode ab dem 1. Januar 2027 neu ausgeschrieben.

Thurnher übernimmt die Geschäftsführung, nachdem Roland Weißmann am 8. März als ORF-Generaldirektor zurückgetreten war. Nach Angaben des ORF hatte eine Mitarbeiterin des Senders gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Weißmann bestreite diese Vorwürfe, teilte der ORF mit. Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum teilte mit, "obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte", sei dieser, "um Schaden vom Unternehmen abzuwenden", mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurückgetreten.

Thurnher: "Schwierige Phase"

Die vorläufige Geschäftsführerin bedankte sich beim Stiftungsrat für das Vertrauen. Sie sagte, der ORF müsse weiterhin das tun, "was er am besten kann: Programm für unser Publikum zu machen". Sie kündigte an, sie werde den Sender "mit Professionalität und Besonnenheit durch diese schwierige Phase führen". Besonders wichtig seien ihr dabei Transparenz und Konsequenz.

Thurnher (63) arbeitet seit 1985 beim ORF. Von 1986 bis 1991 war sie Redakteurin beim Landesstudio Niederösterreich, von 1995 bis 2007 moderierte sie das Nachrichtenmagazin "Zeit im Bild 2". Ab Januar 2017 war sie Chefredakteurin von ORF III, seit Januar 2022 ist sie ORF-Radiodirektorin.

Heinz Lederer, der Vorsitzende des Stiftungsrats, wurde nach einem Bericht des österreichischen "Standard" in der Sitzung von Stiftungsrat Peter Westenthaler (FPÖ) angegriffen, weil er das Gremium nicht früher über die Vorwürfe gegen Weißmann informiert habe. Der Vorsitzende habe dies zurückgewiesen.

Änderung der Geschäftsordnung

Der Stiftungsrat beschloss eine Empfehlung, in der er der vorläufigen Geschäftsführerin riet, zur umfassenden Aufklärung der Vorwürfe gegen Weißmann zur Unterstützung der Compliance Stelle des ORF eine externe Firma "mit entsprechenden Erfahrungen und Referenzen in Compliance-Themen beizuziehen".

In der Sitzung ändrte der ORF-Stiftungsrat nach Angaben des Senders außerdem seine Geschäftsordnung. In Zukunft erteile der oder die Vorsitzende das Wort, vertrete den Stiftungsrat nach außen und informiere bei Bedarf die Öffentlichkeit. Auch die Verteilung der Redezeiten wurde geändert.

Gesetz soll Ausschreibungen neu regeln

Am 12. März stimmte der Verfassungsausschuss des österreichischen Parlaments außerdem einem Gesetz zu, das die Ausschreibung des Generaldirektorenpostens für den ORF neu regelt. Danach muss die Position in Zukunft neun Monate vor Dienstantritt ausgeschrieben werden. Für die nächste Amtsperiode, die 2027 beginnt, wurde die Frist auf acht Monate verkürzt, die Position muss also im Mai ausgeschrieben werden.

Mit der Novellierung des ORF-Gesetzes, die noch im Nationalrat beschlossen werden muss, reagiert die österreichische Regierung nach Angaben des Parlaments auf das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFG), das mehr Transparenz bei der Bestellung solcher Posten vorschreibt. In dem Gesetz werden die fachlichen Anforderungen für die Position präzisiert und die formalen Vorgaben für die Ausschreibung erweitert. Der ORF-Stiftungsrat werde dadurch "zu einem transparenten, nichtdiskriminierenden Verfahren verpflichtet". Neu sind laut dem Bericht auch Regelungen, unter welchen Bedingungen der ORF-Generaldirektor und weitere Direktorinnen und Direktoren vorzeitig abberufen werden können, dazu gehören grobe Pflichtverletzungen.

dir



Zuerst veröffentlicht 13.03.2026 12:17 Letzte Änderung: 13.03.2026 13:42

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Österreich, ORF, Personalien, NEU

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