06.05.2026 08:28
Köln (epd). Forderungen nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche stoßen bei den Betroffenen auf wenig Zustimmung. In einer repräsentativen Umfrage für Unicef Deutschland unter 14- bis 16-Jährigen lehnte eine Mehrheit Verbote als nicht sinnvoll ab, wie das UN-Kinderhilfswerk am Mittwoch in Köln mitteilte. Stattdessen forderten die Teenager einen besseren Schutz auf den digitalen Plattformen.
Das Sinus-Institut befragte im Auftrag von Unicef vom 2. bis 14. April 1.072 Jugendliche online. Demnach halten nur 25 Prozent ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige für sinnvoll. Einer Altersgrenze für unter 14-Jährige stimmten dagegen 54 Prozent der befragten Jugendlichen zu. Insgesamt halten die Teenager Verbote für wenig wirksam: 88 Prozent gehen davon aus, dass Jugendliche Wege finden würden, Altersgrenzen zu umgehen, etwa über geteilte Geräte oder den Wechsel zu weniger regulierten Plattformen.
Generell sehen die befragten Jugendlichen sowohl Vorteile als auch Nachteile sozialer Medien. Positiv bewertet werden vor allem die sozialen Verbindungen, hieß es. 82 Prozent nutzten soziale Medien, um mit Freundinnen und Freunden oder anderen ihnen wichtigen Menschen in Kontakt zu bleiben. 74 Prozent gaben an, dort neue Ideen oder Inspiration zu finden. Als negative Seiten nannten 50 Prozent Mobbing, Hass und Beleidigungen, 44 Prozent zu langes Scrollen, ohne aufhören zu können, und 42 Prozent Falschinformationen und Fake News.
Um einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen müssen sich nach Ansicht von 42 Prozent der Befragten vor allem die Plattformen kümmern. 15 Prozent sehen laut Umfrage in erster Linie den Staat in der Verantwortung, 11 Prozent die Eltern. Ein Viertel der Befragten hält es für eine gemeinsame Aufgabe aller.
Dabei wünschen sich die Jugendlichen konkrete Maßnahmen: 84 Prozent sprechen sich für bessere Inhaltsfilter und die schnelle Löschung ungeeigneter Inhalte aus. Standardmäßig aktivierte Schutzeinstellungen wie private Profile und eingeschränkter Kontakt durch Fremde befürworten 80 Prozent.
"Die Umfrage macht deutlich: Jugendliche kennen die Risiken im digitalen Raum", erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. "Die Anbieter der Plattformen müssen Verantwortung übernehmen - mit automatischen Schutzeinstellungen, konsequenter Inhaltsmoderation und echten Schutzmechanismen."
Die von der Bundesregierung eingesetzte "Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hatte Mitte April eine Sachstandsbeschreibung veröffentlicht, die "Gefährdungslagen und Teilhabemöglichkeiten" junger Menschen im Netz, Medienkompetenzvermittlung, Präventionsmaßnahmen und die rechtlichen Rahmenbedingungen beleuchtet. Das Fachgremium wies dabei simple Lösungsvorschläge zurück. Offizielle Empfehlungen will die Kommission Ende Juni vorlegen.
Für die Regulierung von Plattformen ist in Europa in erster Linie die Europäische Union (EU) zuständig. Im 2022 in Kraft getretenen Digital Services Act (DSA), der hierzu zahlreiche Bestimmungen enthält, findet sich keine pauschale Altersgrenze. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob sie eine solche Regelung auf den Weg bringen soll.
lwd
Zuerst veröffentlicht 06.05.2026 10:28 Letzte Änderung: 06.05.2026 14:45
Schlagworte: Medien, Internet, Jugend, Umfragen, NEU
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