17.05.2026 12:39
Wien (epd). Es war eine lange Nacht. Um 1.00 Uhr stand der Siegerbeitrag für den diesjährigen ESC fest: Die Bulgarin Darina Nikolaeva Yotova, alias Dara, gewann das Publikums- und Juryvoting und überholte damit noch Noam Bettan aus Israel mit 173 Punkten Abstand. Es war ein Herzschlagfinale, nachdem Israel längere Zeit an der Spitze gelegen hatte. Daras Song "Bangaranga" kombiniert Performance-Tanz mit einem starken Beat und markanter Stimme, das brachte Bulgarien nach drei Jahren Pause vom ESC direkt den ersten Sieg in dem Wettbewerb.
Zuvor hatten die 25 Finalteilnehmer in der vierstündigen Show ihr Bestes gegeben, um den Vorjahressieger JJ, alias Johannes Pietsch, zu beerben. Der Kontertenor eröffnete die Show mit einer Interpretation der Mozart-Arie "Königin der Nacht" und seinem neuen Song "Into the Unknown", begleitet vom ORF Radio- und Symphonieorchester Wien.
Victoria Swarovski und Michael Ostrowski streuten in ihrer Moderation immer wieder Referenzen zur 70-jährigen Geschichte des Wettbewerbs ein. Als Intervall-Act sangen ehemalige ESC-Teilnehmer bekannte Hits der letzten Jahrzehnte, darunter die ukrainische Siegerin von 2004, Ruslana, die finnische Hard-Rock-Band Lordi und der deutsche Achtplatzierte von 2004, Max Mutzke. Zum Abschluss stimmten alle "Nel blu, dipinto di blu" an, besser bekannt als "Volare". Der Song hatte 1958 den dritten Platz belegt und erlangte Weltruhm.
Zu den Favoriten des aktuellen Jahrgangs zählte die 17-jährige Monroe aus Frankreich, die mit dem Song "Regarde!" und ihrer Opernstimme antrat. Griechenland und Moldau schickten schnelle, tanzbare Stücke mit LED-Visualisierungen im Comic- bzw. Gaming-Stil ins Rennen. Die Top-Favoriten Linda Lampenius und Pete Parkkonen wurden mit ihrem Song "Liekinheitin" (Flammenwerfer) für Finnland unerwartet nur Sechste.
Rund zwei Kilometer von der Wiener Stadthalle entfernt versammelten sich ein paar Hundert Personen, um gegen die Teilnahme Israels beim ESC zu demonstrieren. Sie kritisierten das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Entgegen den Befürchtungen blieb es friedlich. Wegen der Teilnahme Israels blieben dieses Jahr auch fünf bisherige Teilnehmerländer dem Wettbewerb fern, darunter Spanien und die Niederlande.
Von den politischen Diskussionen um die Teilnahme des israelischen Senders KAN habe man hinter den Kulissen wenig gemerkt, sagte die deutsche Delegationsleiterin Tina Sikorski. "Alle Delegationen und insbesondere die Artists gehen sehr freundschaftlich miteinander um. Die Künstlerinnen und Künstler der einzelnen Länder applaudieren sich gegenseitig, wenn man sich sieht. Für mich ist das wirklich gelebte Völkerverständigung", ergänzte sie.
Sarah Engels, die Deutschland mit ihrem Song "Fire" vertrat, landete nur auf dem 23. Platz. Dennoch will der SWR erst einmal an dem bisherigen Konzept festhalten und hinter den Kulissen Vertrauen bei etablierten Künstlerinnen und Künstlern sowie in der Musikbranche aufbauen.
SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler sagte: "Wir wünschen uns, dass der ESC und auch unser Vorentscheid nicht mehr mit spitzen Fingern von etablierten Künstlerinnen und Künstlern angefasst wird, sondern perspektivisch im besten Fall eine ähnliche Begeisterung auslöst wie beispielsweise der italienische Vorentscheid, das Sanremo-Festival." Innerhalb der ARD übernahm der SWR die ESC-Federführung vom NDR, der nach fast 30 Jahren die Aufgabe abgab.
Mit Blick auf die Einschaltquoten war der Abend für die ARD ein Erfolg: Durchschnittlich 8,94 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Finale im Ersten und bei One, der gemeinsame Marktanteil lag nach Angaben des Senderverbunds bei 46,8 Prozent.
chs
Zuerst veröffentlicht 17.05.2026 09:37 Letzte Änderung: 17.05.2026 14:39
Schlagworte: Musik, Fernsehen, Europa, NEU
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