19.05.2026 11:28
Berlin (epd). Die Plattform Jugendschutz.net hat im vergangenen Jahr 15.099 Verstöße gegen den Jugendschutz im Internet festgestellt. Gegenüber dem Vorjahr stelle dies zwar einen leichten Rückgang (2024: 17.630) dar, gegenüber dem Jahr 2023 (7.645) blieben die Zahlen allerdings weiterhin hoch. Von den mehr als 15.000 Fällen entfielen 93 Prozent auf die Darstellung sexualisierter Gewalt, sagte der Leiter von Jugendschutz.net, Stefan Glaser, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichts.
Insgesamt beträfen 12.334 Fälle Kinderpornografie und 1.091 Fälle Jugendpornografie. Auch wurden 383 Mal Minderjährige in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung registriert. Bei 493 Verstößen wurde die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen registriert.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) forderte anlässlich der Veröffentlichung des Jahresberichts, Kinder und Jugendliche in Digitalräumen nicht allein zu lassen sowie mehr Unterstützung für Eltern und Lehrkräfte.
Glaser sagte, Kinder und Jugendliche würden "gemobbt, belästigt oder manipuliert". Er kritisierte etwa das Phänomen des "family influencing", bei dem Eltern das Leben ihrer minderjährigen Kinder oder teilweise gar Babys auf Social Media teilten. Die Kinder würden häufig in den Kommentarspalten sexualisiert und deren Bilder heruntergeladen.
Brandbeschleuniger sei dabei auch die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI), die Sexualisierung fördere. KI-generierte Influencerinnen zeigten etwa ihre "Idealkörper". Auch im Rahmen von Kriegskonflikten werde KI mit einer emotionalisierenden Wirkung eingesetzt. Neu sei auf Musikplattformen wie "Spotify" die Verwendung von KI-generierter rechter Musik, die "ohne Vorkenntnisse mit teils frei zugänglichen Tools" erstellt werden könnte.
In fast 7.000 Fällen habe Jugendschutz.net Anbieter auf Verstöße hingewiesen. Insgesamt 5.465 Mal seien Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet worden. 79 Aufsichtsfälle wurden an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz übermittelt. Zum Jahresende seien insgesamt 96 Prozent der Verstöße beseitigt gewesen.
Glaser kritisierte die mangelnde Vorsorge der Anbieter. Im Vergleich zum Vorjahr "hat sich nichts verändert". Er beklagte, dass Vorsorgemaßnahmen nur halbherzig umgesetzt würden und kein Meldesystem angemessen funktioniere.
So testete Jugenschutz.net die Meldefunktion für Benutzer bei politisch extremen Inhalten. Instagram und TikTok löschten demnach in weniger als 30 Prozent aufgrund von Usermeldungen Inhalte. Bei Youtube waren es nur zwei Prozent.
Jugendschutz.net wurde 1997 von den Jugendministerien der Länder gegründet und fungiert als gemeinsames Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten und ist an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden. Die Einrichtung recherchiert eigenständig Gefahren und Risiken für Jugendliche im Internet und nimmt über ihre Online-Beschwerdestelle Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendmedienschutz entgegen.
lob
Zuerst veröffentlicht 19.05.2026 13:28 Letzte Änderung: 19.05.2026 15:21
Schlagworte: Medien, Kinder, NEU
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