ZDF-Ausladung von Danger Dan stößt auf Kritik - epd medien

17.07.2026 14:47

Danger Dan wollte in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" ein "antifaschistisches Lied" vortragen. Doch der Sender legte sein Veto ein: Der Text könne als Gewaltaufruf verstanden werden. Die Macher der "Anstalt" kritisieren die Entscheidung als "mutlos", das ZDF will den Fall in einer "Aspekte"-Sondersendung am Samstag aufarbeiten.

Danger Dan, Rapper der Antilopen Gang, beim Highfield Festival 2024

Frankfurt a.M. (epd). Der vom ZDF kurzfristig gestoppte Auftritt des Musikers Danger Dan in der Sendung "Die Anstalt" hat eine Debatte über den Umgang mit provokanter Kunst ausgelöst. Danger Dan sagte dem "Spiegel", es sei ein "furchtbares Zeichen", dass ZDF-Intendant Norbert Himmler "anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren".

Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Mika Beuster, sieht den Song, den Danger Dan gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit in der Sendung vortragen wollte, als von der Kunstfreiheit gedeckt. Die Gewerkschaft ver.di sprach von einer "gravierenden Fehlentscheidung". Kritik kam auch aus der SPD und von den Linken.

Für die Aufzeichnung der 100. Ausgabe der Sendung war Danger Dan mit seinem Lied "Keine Angst" eingeladen, das sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasst. "Der Text des Liedes kann allerdings als Aufruf zu Gewalt verstanden werden", erklärte das ZDF. Ein solcher Aufruf stehe im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders.

Danger Dan bestreitet Aufruf zur Gewalt

Das Team der Sendung hingegen erklärte auf Instagram: "Wir hätten es als öffentlich-rechlliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren." Die Entscheidung der Intendanz empfinde man als "mutlos". Wie es aussehe, "wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind", könne in der nächsten Folge von "Die Anstalt" am kommenden Dienstag ab 22.15 Uhr im ZDF betrachtet werden.

Danger Dan bestritt, in dem Lied zur Gewalt aufzurufen. "Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal", sagte er dem "Spiegel" in dem am Freitag online veröffentlichten Interview. In einem Post im Netzwerk Instagram schreiben Danger Dan und Igor Levit: "Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös."

Aufarbeitung am Samstag und Dienstag

Das ZDF will sich nun in einem Sonderprogramm mit dem Lied auseinandersetzen. Die Aussage des Songs erfordere "eine gründliche journalistische Einordnung und Befassung, die das ZDF an anderer Stelle leisten wird", erklärte der Sender am Freitag. In einer Sonderausgabe von "Aspekte" an diesem Samstag werde das ZDF das Versprechen einlösen, sich "dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan und dessen Thema 'Widerstand gegen Rechtsextremismus' zu befassen".

Auch das Team der "Anstalt" werde sich in der betroffenen Ausgabe am Dienstag kritisch mit der Ausladung auseinandersetzen, hieß es. Das ZDF verteidigte abermals seine Entscheidung: Der Text des Liedes könne als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden, der Selbstjustiz propagiere und Gewalt nicht ausschließe. Die vier Vornamen Lina, Gucci, Maja und Nanu etwa, die am Ende der letzten Strophe mit "lieben Grüßen" bedacht werden, seien "identisch mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten".

"Wir legen sie lang" im Songtext

In dem Song wird dazu aufgerufen, sich im Widerstand gegen Rechtsextremismus zusammenzuschließen und zu organisieren. "Ruf' erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust", lautet eine Textzeile. "Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang", heißt es zudem. Oder: "Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n." Der Text schließt mit Grüßen "an Lina, Gucci, Maja und Nanuk".

Auf Instagram schilderte Danger Dan, "Die Anstalt" habe sich bis zuletzt sehr ins Zeug gelegt, den Auftritt möglich zu machen. "Sie haben sogar ihr ganzes Programm umgeschrieben, um das Lied in die Sendung einzubetten, und wollten die Sendung dann 'Antifanstalt' nennen." Die Intendanz habe dann ganz kurz vor knapp, "als wir mit unserem Team, Igor Levit und sechs weiteren Musikern schon in München angekommen waren, ihr Veto eingelegt".

Provokation und Irritation

Kritik an der Entscheidung des Senders kam auch aus Gewerkschaften und Politik. Das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen warf dem Intendanten Himmler vor, seiner Redaktion und den beiden Künstlern "in den Rücken" gefallen zu sein. "Dies stellt einen schwer zu heilenden Vertrauensverlust der ZDF-Kolleginnen und -Kollegen in die Medienfreiheit und die Unterstützung durch ihren Intendanten dar", kritisierte er.

DJV-Chef Beuster erklärte im Netzwerk LinkedIn: "Man muss den Song und den Inhalt nicht gut finden." Aber er sei von der Kunstfreiheit gedeckt. "Wer die AfD ins Programm ein- und Igor Levit und Danger Dan auslädt, der hat wohl Angst. Oder ein Problem mit seinem Kompass", urteilte Beuster.

Liminski: Fernsehrat sollte Fall prüfen

Nach den Worten des rheinland-pfälzischen Kulturministers Sven Teuber (SPD) darf Kunst irritieren und provozieren. "Wenn Kunst nur noch erlaubt ist, solange sie niemanden stört - ist sie dann überhaupt noch frei?", schrieb er auf Facebook zu der ZDF-Entscheidung. Linken-Chef Luigi Pantisano betonte: "Ein antifaschistischer Song muss beim ZDF selbstverständlich Sendezeit bekommen." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse "Seite an Seite mit denen stehen, die sich dem Rechtsruck entgegenstemmen", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstag).

Der nordrhein-westfälische Medienminister Nathanael Liminski (CDU), der Mitglied des ZDF-Fernsehrats ist, äußerte sich auf epd-Anfrage differenziert. Es falle in die Programmhoheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu entscheiden, was gesendet werde und was nicht, sagte er. Maßgeblich seien dabei die Programmrichtlinien. "Der Liedtext ruft zu Aktionen mindestens am Rande der Legalität auf und zeigt eine Nähe zu teilweise verurteilten Extremisten", so Liminski. "Vor diesem Hintergrund kann es niemanden verwundern, dass das ZDF eine Verletzung seiner Programmrichtlinien prüft."

ZDF-Intendant Himmler habe den Fernsehrat in einem Schreiben über den Vorgang und das Ergebnis informiert. "Der Fernsehrat sollte sich auch angesichts der breiten öffentlichen Diskussion mit diesem Fall beschäftigen", erklärte der Medienminister.

fu/rid



Zuerst veröffentlicht 17.07.2026 09:10 Letzte Änderung: 17.07.2026 16:47

Schlagworte: Medien, Fernsehen, NEU

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