20.07.2026 08:19
ZDF-Komödie "Die Bachmanns - Gefahr im Verzug"
epd Die Liebe kann schwinden - aber Familie bleibt. So geht es vielen Paaren, deren Paarbeziehung den Familienalltag mit Kindern nicht überlebt hat. Miriam (Stefanie Stappenbeck) und Markus (Oliver Wnuk) sind seit einigen Jahren geschieden, die gemeinsamen Kinder Emma und Elias inzwischen Teenager. Weil Markus fand, es sei doch eine tolle Idee, mit seiner neuen Freundin Galina (Natalia Belitski) in ein Haus gleich neben dem (ehemals gemeinsamen) Familienwohnsitz zu ziehen, natürlich wegen der Kinder, sind sie nun auch Nachbarn.
Die zwangsläufig daraus resultierenden Spannungen waren Stoff des ersten Bachmann-Films, der im vergangenen Jahr zu sehen war. Und wie so oft, wenn Ralf Husmann als Autor am Werk ist, war es überaus vergnüglich, den Kabbeleien, Eifersüchteleien und Irritationen zu folgen, denn auch die Nebenfiguren waren mit viel Liebe und Witz gestaltet.
Im zweiten Teil mit dem Titel "Die Bachmanns - Gefahr im Verzug" hat sich in diesem Mikrokosmos nicht viel verändert, mal abgesehen davon, dass Nachbarin Katrin jetzt mit einer Maja statt mit ihrem Ex Martin zusammenlebt, was natürlich die konservativen Subjekte der Nachbarschaft beschäftigt. Schwerwiegender für die Bachmanns ist jedoch, dass die coole wie zielstrebige Galina, die 40 wird, plötzlich ein Kind von Markus will. Von dieser Idee sind allerdings nur Galina selbst und ihre Familie begeistert. Markus dagegen hat noch lebhaft vor Augen, wie seine Ehe am stressigen Alltag mit zwei Kindern scheiterte.
Das komödiantische Potenzial ergibt sich aus Markus‘ Persönlichkeit: Oliver Wnuk gibt höchst überzeugend und mit viel Gespür für Timing den erwachsenen, in seinem Ringen um "Männlichkeit" aber häufig pubertär wirkenden Mann, der gern den Weg des geringsten Widerstands geht und Auseinandersetzungen oder Konflikte scheut, kurz: ein etwas opportunistischer Rosinenpicker.
Seine Vermeidungsstrategien wiederum sorgen für reichlich Verwicklungen, Missverständnisse und Ärger - vor allem bei Miriam und den Kindern. Emma und Elias (Medea Leinen und Jonte Blankenburg) sind abseits aller Pubertätskriege zu Recht sauer, als sie mitbekommen, dass ihr eigener Vater sie quasi als Beziehungskiller sah.
Miriam wiederum lässt sich auf eine Romanze mit dem charmanten Herrn Prinz (Steve Windolf) ein, der jedoch hat selbst eine heftig pubertierende Tochter mit ADHS. Miriams Bemühen, vor allem im Vergleich mit Galina nicht als irgendwie langweilig und verklemmt zu gelten, korrespondiert dabei spiegelbildlich mit Markus‘ Bemühen um ein männliches Image - und liefert viel Stoff für köstliche Sticheleien.
Ein weiterer Handlungsstrang ist eine rätselhafte Einbruchsserie im Ort, die die Nachbarschaft dazu veranlasst, als "Bürgerwehr" abends Streife zu laufen, was wiederum die unterschiedlichen Nebenfiguren in Szene setzt. Die sind mit all ihren Macken wiederum sehr unterhaltsam: etwa Oscar Ortega Sánchez und Effi Rabsilber als in inniger Hassliebe fest verschweißtes Paar, Niels Bormann als ewig datender Single und Sportfanatiker Hape oder Martin Brambach als leicht verstaubter wie aufdringlicher "alter, weißer Mann".
Der Spannungsbogen, der in dieser zweiten Folge gebaut wird, ist dabei weniger überzeugend als die spielerische Leichtfüßigkeit, mit der die (durchaus ernst zu nehmenden) zwischenmenschlichen Konflikte verhandelt werden. Und das, ohne sie ins Lächerliche abgleiten zu lassen. Der Husmann-typische Dialogwitz gibt Stefanie Stappenbeck und Oliver Wnuk, aber nicht zuletzt dem ganzen Ensemble den nötigen Raum, ihr komödiantisches Können zu entfalten.
infobox: "Die Bachmanns - Gefahr im Verzug", Komödie, Regie: Fabian Möhrke, Buch: Ralf Husmann, Lena Krumkamp, Kamera: Katharina Dießner, Produktion: MadeFor Film (ZDF-Mediathek, seit 13.7.26)
Zuerst veröffentlicht 20.07.2026 10:19 Letzte Änderung: 20.07.2026 12:58
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Steglich, ema, NEU
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